jede Menge Spam

Ich versuchte es mit Klebstoffen Spazierstöcken Gartenzäunen Pflöcken Haustieren Vogelfutter … mit allem, was rund ist … mit Trampolinspringen … Sprengstoff … mit flitzenden Stahl- gleich Revolverkugeln, ich starb alle möglichen Todesarten von Genickstarre bis ernste Bulimie, von Herzinfarkt bis Ertrinken … das Ergebnis ist bekannt.

Kaum steht es im Netz … jedes Mal aufs Neue … beschleicht dich Unruhe. Wer wird sich melden, wenn ja, in welcher Form. Wie sieht der Verriss diesmal aus, wer greift an, wer beschämt dich, wer wird dich zu beleidigen versuchen, sie lauern dir auf, du ihnen.

Einen Haken zu schlagen, zwei. Um nicht den Verdacht aufkommen zu lassen, du wärst auf ihr Urteil angewiesen, stelltest du dein Zeug überall unter, bei den Avantgardisten, den Poeten, den Proleten, bei den Freunden der Technik, bei Mutter Teresa, bei Mutter Courage … und handeltest dir jede Menge Spam ein.

Von: Hey Leo, ist es wirklich so schlimm − bis: kannst du auch lustig? Bis: wenn du nichts mitzuteilen weißt, lass es einfach. Über: hast du das durch die Übersetzungsmaschinen gejagt oder ist das Kaugummi aus dem Rinnstein?

Von: probier es mal mit Löffel statt mit Messer und Gabel. Bis: da draußen huscht eine Nachtigall durch die Rinne. Über: probier es mal ohne Zeichensetzung. Bis: lass jucken, lass fallen, entspann dich, sprich dich nur aus.

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Geschwiegen wurde auch.

Man spürt sich verbunden mit weltweit eingeloggten Nutzern und fragt sich, was treiben sie? Das Geheimnis um die anderen. Wer dieses Spiel beherrscht, von dem weiß man nach mehrwöchigen Postings nicht, wer er ist, wer sie. In der Verhüllung, in der Blendung. Wenn er oder sie dir begegnet mit realer Existenz, wird es dir gleich zu viel. Bonny the Clouder, vor den Foren und Thoren. Man betritt die Bühne der Vorlieben und Gewohnheiten, zu erkennen: Moralisten, Prediger, Rechthaber, all die, die du sonst nicht zu Gesicht bekommst, hier zeigen sie sich.

Hier einer, dort einer, noch einer. Ein quirliger, ein langsamer, ein steter Moralist, bis auch ihn die Buchstaben überrollen. Man schreibt vom Weltuntergang mit Musik. Sie antworten mit den Scheinwerfern aus der Zeit von Riefenstahl. Ich entgegne etwas mit meinen Telefunken, aus 1972, sie antworten mit This is the End. Ich entgegne ich, meine Telefunken haben aber zehntausend gekostet, sie sagen, ihre Bose sei eine Browers & Wilkinson, unterm Tisch haben sie einen Subwoover von Teufel. Ein Goldesel für fünfhundert Mark, geschossen in Lübeck beim Trödeln und Chillen.

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Ich sah sie sich versammeln zu einem Bürgerprotest. Jeder eine Bose im Arm, eine Kleine vis-à-vis oder ein Fahrrad beigestellt und wie auf Kommando werfen sie es ins Plenum, rufen Oh, rufen Ah, ich sehe drei Typen an einem Einkaufswagen rumwuchten, in ihren Lieferwagen heben, neben dem Lieferwagen meine Telefunken.

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