Tatsachen schaffen

Tatsachen schaffen –

Du musst alles „erkämpfen“ – oder rumturnen, rumturteln, rumlügen, deine Einsamkeit bügeln. Das Ärgernis beim Namen benannt: die dort „spielen“ leben ihr Diktat vom anderen Sein. Jetzt haben sie Maschinen, die ihnen die Arbeit abnehmen, tatsächlich meinte heute ein MA zu mir: die nächste Revolution geht von Programmierern aus.

Wenn sie es schaffen, sich von ihren Jobs zu befreien.

200 Telekommunikation − weil die Zeit im Umbruch ist, finden wir keine Verbindungen. Und: Man wundert sich über die Gelassenheit der Leute, die nichts zu tun haben mit dem Internet. Neulich rief mich ein Freund aufgebracht aus Spanien an und hatte keinen Internetzugang. Sein Provider in Deutschland war zusammengebrochen und da er in Spanien saß, um dort eine wichtige Präsentation vorzubereiten, kam er nicht an die aktuellen Informationen heran und verfluchte sein Laptop und die gesamte Telekommunikationsbranche.

Selbst der Tipp, es über eine Call by Call Verbindung zu versuchen, konnte ihn nicht beruhigen, er sei nicht in der Lage, solch eine Nummer auf die Schnelle herauszufinden und verstehe nichts von den Einwahlmöglichkeiten ins Netz.

Der typische User mal wieder: technisch überfordert und wenn wir ehrlich sind, schlecht vorbereitet. Wie immer schlecht beraten. Als das Telefonat beendet war, kam der Fluch, den er dort abgelassen hatte, auch über mich.

Es schien mir plötzlich klar und deutlich, unter welchem Damoklesschwert wir uns bewegen und warum es nichts werden kann mit den klassischen Modellen einer Verbindung oder des Verkehrs … plötzlich sah ich es vor mir. Ein kleines Aufleuchten der Missstände, unter denen wir eine menschliche Verlustrechnung aufschreiben. Ich verrechne das nicht in Euro, sondern in einer anderen Währung: Nennen wir sie Poems of Bits.

1. Probleme erscheinen immer zeitnah. Gestern noch saßen wir in Frankfurt und überlegten uns einen Plan zur Verbesserung der Infrastruktur. Dort soll innerhalb der nächsten vier Jahre eine neue Start- und Landebahn errichtet werden. Plötzlich erreicht uns die Nachricht vom Tod unseres Onkel. Wir haben keine Wahl, wir sitzen schon im Flugzeug Richtung Frankfurt, werden wohl nicht zur Familienfeier in Hamburg sein können, weil uns der Flieger nach Basel bringt.

Also schreiben wir eine Mail ans Sekretariat mit der Bitte, ein Kondolenzschreiben aufzusetzen.

Plötzlich fällt uns ein, dass das Schreiben zu unpersönlich wirken könnte, wir haben keine Zeit. Wir bitten unseren Bruder, einen weiteren Versuch zu unternehmen, uns zu entschuldigen, das erledigen wir per Telefon.

Was passiert? Als man einen Brief ans spanische Innenministerium verfassen will, fällt das Laptop aus. Neustart, die Festplatte will nicht. Man sitzt auf Kohlen und der Rechner meldet, keine Domäne gefunden … man ruft in Berlin an. Der Freak dort erklärt einem einen administrativen Zugang, so kann man wenigstens Briefe verfassen.

2. Die Illusion vom Wissensvorsprung. Haben wir es nicht häufig geglaubt? Man hat Termine, hat Kunden, hat Freunde. Man glaubt, das sei alles unter einen Hut zu bekommen. Wir können Freunde häufig nicht mehr von Geschäftspartnern unterscheiden, das soll uns nicht stören, wir sind ständig online.

Wir haben den unmittelbaren Austausch mit allem und jedem über das Internet, und wenn wir einmal nicht an unserem Termin festhalten können, schicken wir eine Mail und glauben, wir haben unser Gegenüber ruhiggestellt.

Wir sind immer und überall mit allem und jedem verbunden. Wenn wir plötzlich auf unserem Terminal einen Termin aufleuchten sehen, der uns in zwölf Stunden in Moskau vorsieht, obwohl wir im Flugzeug nach New York sitzen, schreiben wir noch eine Mail. Liebe Grüße aus New York, der Flieger hat vierundzwanzig Stunden Verspätung.

3. Die Rast der Ratlosigkeit. Jahrelang geht das nun so. Aus irgendeiner Ecke der Welt ruft irgendein verzweifelter Nutzer an und kommt nicht ins Net oder findet den Monitorknopf nicht oder weiß nicht, wo sein Handylogin hin ist.

Es fehlt ein grundsätzliches Konzept. Irgendjemand müsste eine All-in-One-Lösung anbieten. Irgendjemand sollte die Dienste in Wien vornehmen können, während man selbst die Gespräche in München führt. Irgendjemand hat uns Bildschirmtelefonie angekündigt. Irgendjemand wird uns mit SMS eine Blume schicken. Irgendjemand will uns UMTS verkaufen. Wo ich hinkomme, rieselt es Bilder und Daten und Schnitte und Verwechslungen und Journalisten halten Jennifer ein Mikrofon ins Gesicht und eine Rockband gerät beim Übungskonzert zwischen die Boxen …

4. Es geht auch anders. Vor Tagen hatte ich das Vergnügen, in einem Büro, in dem ein paar Methusalems sitzen, die noch per ISDN ins Internet gehen und eine alte, vor Jahren aufgebaute UNIX Maschine ihr Eigentum nennen, einen neuen Server zu installieren. Auf diesen Server werden nicht wie erwartet Zeichnungen verfrachtet, sondern Briefe. Nicht alle Briefe landen auf dem Server, sondern auch auf dem Desktop oder auf einem ganz anderen Laufwerk, das ist vielleicht das Laufwerk eines Nachbarrechners.

„Das weiß ich doch nicht, und das interessiert mich auch nicht“, sagt Methusalem.

Nebenher zeichnet er ein Haus auf Transparentfolie. Mit Füller und Rapidographen, ganz klassisch. Die Transparentfolie wird umgedreht, da wird drauf rumgekratzt mit einer Rasierklinge, dann wird weitergemalt.

Immer wieder wird die Transparentfolie gedreht. Eigentlich kratzt man auf der Vorderseite etwas weg, um es auf der Rückseite zu erneuern … schließlich nach zwei Stunden ungefähr, der Ausruf:

„Scheiße, ich hab alles auf die Rückseite gezeichnet, als wäre ich auf der Vorderseite, das ist jetzt alles spiegelverkehrt!“

5. Die Komplexität der Telekommunikation überträgt sich aufs Private. Ein vierundzwanzig Stunden Tag ist ein vierundzwanzig Stunden Tag, daran ändert auch nicht, dass man nicht mal eine Verbindung zu einem Nachbarn, Verwandten oder Bruder oder Onkel aufbauen kann, man hat eh keine Zeit, es fiept gerade das Handy. Steht ne Nachricht drauf. Komm endlich nach Hause. Und bring kein Laptop mit. Deine Lena.

Verlink mich nach … Home – oder zur Musik (da geht es weniger moralisch zu)

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