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Lass das … es hilft nichts, dir nicht mir nicht.

Das hier ist ein Romanprojekt. – Es währt schon mehr als 20 Jahre, da ich das erste mal rief: Ich bin drin – in deinem, was ich nicht war, sondern wurde.

Man hat es mit vielem – zu tun – und selbst zu schaffen.

Die Leichtigkeit des Frühlings tippte mir gelegentlich morgens nach dem Erwachen auf die Schulter, gleich aber drohte ich zu verstocken, eine Kläranlage nach reinigendem Gewitter, allein, die Reinigung blieb aus.

Will auch ein paar Groß- und Kleinschreibungen üben.

Drei Tage Schweigen.

Was, frage ich dich, soll ein Internetroman sein. Das Internet, ist bekannt, es schreibt sich selbst.

Du kannst das nicht abwerfen wie ein Spielautomat seine Münzen. Du fährst unter der Beschallung von Rammstein dem Hochzeitsfest entgegen und willst nicht glauben, dass ich Weihnachten deinetwegen boykottiere − unser Weihnachten − stattdessen die Heirat mir fremder Leute. Seit Tagen haben wir keinen Kontakt.

Wenn du erst merkst, dass dein dir vertrautes Leben zu langatmig ist im Vergleich zu der Performance, mit der andere durch ihre Zeit streifen. Dann brauchst du ein neues Metronom. Eins, das das Tempo rausnimmt.

Bild- und Textauswahl entscheiden nicht über Wohl oder Wehe, sondern deine Auffindbarkeit. Insofern all die Experten, die dich durch Gesetzgebung vor der Außenwelt abschirmen wollen, recht behalten, als du von niemanden gesehen wirst. Willst du das anders, muss du ausscheren und LAUT werden. Bitte. The Boy of Howto.

Muss das alles miteinander verlinken – dachte ich vor Jahrzehnten, inzwischen weiß ich, niemand folgt etwaigen Links, dahinter könnten sich Fallen befinden. Stattdessen spielen sie lieber auf den gängigen Media-Plattformen, wie sehr sie der neuen Welt gewachsen sind –

Aber: gewöhn dir bitte ab, mit dem Finger auf andere zu zeigen.

Über mir Marlene, die mich Wochen und Monate vor dem Rechner sitzen ließ, um sinnlos Texte zu verfassen. Die Buchstaben drohten ein Eigenleben zu entwickeln. Nur Buchstaben, und mit ihnen Laute. Als Teil meiner Fantasie, weil wir uns so angenehm erregten auf den Artikeln der Lust. Wie empfindsam die Worte. Ich stelle auf Empfang. Marlene. Sie spielt mit jedem meiner Sätze. Sie wandert durch mich hindurch. Sätze, Worte. Ströme. Ich weiß, sie hat einen Mann, sie erwartet ein Kind, im Netz erscheint sie als Marlene, als Rose, als Milchkaffee.

Marlene, als Rose, als Milchkaffee.

Dort hat sie einen Mann und nennt ihn ihre Liebe und hat ein Kind und ist auf der Suche. Der eine Klick, der dein Leben verändert. Das Glück liegt im Nebenzimmer und wartet darauf, dass ich mich hinlege und ihr in die Augen sehe und ihr diese Sätze zumute, wie sie es im Kino haben als Abbild der greifbaren Welt. Auf dem Marktplatz Dorf. Buchstaben. Laute. Ansagen. Versprechungen. Irritationen. Erwartungen. Manche kostümiert mit solchem Aufwand gepflegt, du wärst gern ein anderer! Trotzdem zu erkennen, verkleidet erkennbar. Die Vorspiegelung einer geklonten Identität wird zu einer weiteren Identität, auch wenn sie sich kaum äußert. Als Teil ihrer Währung.

Vor der Ernte
Vor der Ernte